Sonntag, 19. März 2006

Krank


Was passiert, wenn mein Geist und mein Körper über längere Zeit nicht am selben Fleck sind? Richtig, ich krieg eine Angina.
Ich habe beschlossen, diesmal gleich umzuschalten, auf "Ich-mag-mich-auch-wenn-ich-krank-bin" - Kurs zu gehen. Angina ist meine Horrorkrankheit. Werde sofort wie ein kleines Kind und bin mir ziemlich sicher, elendiglich daran zugrunde gehen zu müssen. Ja, natürlich. In meinem Kopf spielen die Termine Karussell - wie soll ich das alles schaffen, ich kanns mir ja gar nicht leisten, krank zu sein, usw. usf.
Trinke Unmengen an Wasser *schlürf*, gurgle Salz *uargh*, drücke diverse Akupressur-Punkte *mmmh* - und es geht schon besser.
Das einzige Problem: mein Holländer. Mein Körper versucht wohl, sich auf brutale Weise der Erinnerung an ihn zu entledigen. Ist ja ok. Aber mein Kopf schafft es (noch) nicht. Ich habe letztens eine Legung gemacht. Ein erhellendes Ergebnis war, im Zusammenhang mit den 10 Münzen: alle schönen Erlebnisse, die mir so geschenkt werden, kann ich genießen und gehen lassen - bis auf die mit Männern. Da kommt etwas anderes ins Spiel, mein Bedürfnis nach Liebe. Jeder hat das, es ist völlig unspektakulär, das macht die Sache einfacher. Andererseits finde ich es interessant, wie jeder von uns völlig anders mit der (Nicht-)Erfüllung dieses Bedürfnisses umgeht. Mir fällt es sehr schwer, eine Nacht mit einem Mann zu genießen, und die Sache dann als einmalig und schön loszulassen. Ich verliebe mich. Und es ist ziemlich anstrengend, in einen Typen verliebt zu sein, der 1200km weiter weg lebt, und den ich grade mal 12 Stunden kenne. Das Ergebnis: ich werde krank.
Ich bin mir dessen bewusst, dass ich damit in die Kategorie "Typisch Frau" falle. Ja, sich in den One-Night-Stand zu verlieben, ist typisch für Frauen und überhaupt Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Selbst-Lieben haben, die sich über andere definieren. Bewusst oder nicht, gewollt oder nicht, Frauen lernen, sich über etwas anderes zu definieren, als über sich selbst. Es steht nicht schlecht um mein Selbstbewusstsein, aber es gibt eben doch kleine Lecks. Und durch die wird möglich, was jetzt passiert. Durch diese kleinen Löcher hat sich der Dämon reingeschlichen, der mich glauben lässt, ich sei nix wert, nur weil er sich nicht meldet. Hab ich ihm nicht gefallen? War ich zu redselig/aufgekratzt/esoterisch? (Wenn ich versuche, an die Gegenargumente zu denken, kommt *biep* Das zählt nicht!) Ach Gott! Ich habe eine masochistische Tendenz, mich in Situationen hineinzumanövrieren, in denen ICH diejenige bin, die auf irgend etwas wartet. Ich gebe zu, diese Tendenz hat für mich und andere hohen Unterhaltungswert. Und wenn das Warten ein Ende hätte? Was tu ich dann? Viel mehr als "Es war toll, und es ist vorbei" kann's ja nicht sein. Selbst wenn's ihn, oh Wunder, erwischt haben sollte - was sollte er denn sonst sagen? Würde ich irgendetwas anderes sagen? Na eben.
Es ist schwer, das Träumen zu lassen. Vielleicht gehört es auch einfach zum Reinigungsprozess, mir noch einmal diesen Bauchnabel in Erinnerung zu rufen (er hat einen erstaunlichen Bauchnabel - der ist genau genommen fast nicht existent), oder seine unvergleichliche Kinnpartie? Das ist es nämlich: ich kann mir momentan einfach keinen Mann vorstellen, der im entferntesten an dieses Ausmaß an Sexiness anknüpfen könnte. Als ob ich in meinem Zustand was damit anfangen könnte. Egal. Ich versuche zu lachen. Eigentlich muss ich schon lachen. Eigentlich lache ich.

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