Schaucha
Reinheit des Körpers, des Geistes und der Seele
Eines der 5 Niyamas, den allgemein gültigen Qualitäten im Umgang mit uns selbst. 
In den Asanas erleben wir über unseren Körper sehr direkt die Auswirkungen eines unharmonischen Lebensstils. Wir spüren unsere An- und Verspannungen und unsere Steifheit, Erschöpfung, Müdigkeit oder Ruhelosigkeit und Überdrehtheit. Wir nehmen wahr, wie negative und destruktive Emotionen und Gedanken uns verunreinigen und hemmen, wie der Neid uns vergiftet oder die Angst uns lähmt. Und es entsteht auf eine natürliche Weise der Wunsch nach "Reinigung", nach Veränderung.
Aus: Flow Yoga. Meditation in Bewegung, von Beate Cuson

Das Thema Reinigung beschäftigt mich schon sehr lange. Ich merke schnell, wenn mich ein Erlebnis, ein Gedanke oder eine körperliche Empfindung verschmutzen. Das Gleichgewicht geht verloren, die Gedanken zischen kreuz und quer, der Körper wird schwer, alles verstopft.
Manches kriegt der Körper von selbst wieder in die Balance, manches bleibt unerkannt lange in einem und richtet schweren Schaden an. Das eigentlich Mühsehlige an der Reinigung ist selten das "Waschen" selbst, sondern die Überwindung dazu. Wie beim Sport oder beim Arbeiten. Wenn man einmal dabei ist, geht es meist locker von der Hand, aber bis dahin...
Negative Gefühle, hassvolle Gedanken etc. machen den Menschen nicht schlecht. Sie müssen nicht ausgetrieben werden, weil sonst der Teufel kommt, oder unsere gerechte Strafe. Ich werde im Spiegel des Lebens freilich genau das erblicken, was ich selbst ausstrahle. Aber innerliche Hygiene sollte man nicht aus Angst betreiben, dass einem das Leben sonst eins überbrät. Der Grund, warum Schaucha gut und wichtig ist, ist sehr schlicht: wer einmal vollkommen sauber und klar war, kennt ihn. In diesem Zustand sind die Gedanken geschmeidig und ruhig, auf den Lippen liegt das Lächeln der zufriedenen Vergnügtheit, die Haut ist weich, der Körper ist warm, leicht und biegsam. Man findet die richtigen Worte, sieht klar, hört richtig, denkt mit Liebe und handelt mit Verstand. Der einzige Grund für Reinigung ist das Bedürfnis, sich so oft wie möglich so heil fühlen zu können.
Aber wie putzt man sich eigentlich innerlich? Es gibt viele verschiedene Techniken und alle möglichen Richtungen und Schulen, von bodenständig bis abgehoben. Elemente-Reinigung, Bewegung, Visualisationen, Meditation, Geißelung... Ich fühlte mich lange zum Schmutzig-Sein verurteilt, denn nichts funktionierte. Was mir dabei nicht klar war - und das lag wohl an der Wortwahl "Reinigung" - war die Natur dieses Prozesses. Der ist nämlich grundsätzlich verschieden von der Art und Weise, wie wir unsere Körper, unsere Kleidung und unsere Autos waschen. Die "Reinigung" von Zorn, Angst, Scham etc. funktioniert nämlich nicht so, dass Belastendes aus dem Körper getrieben wird, wie der Fleck aus dem Hemd. Das musste ich schmerzlich erfahren, als bei jedem "Abtreibungsversuch" der Zorn in mir umso stärker in mir aufflammte. "Ich gehe nicht!", brüllte er und trieb mir die Rauchwolken aus den Ohren. Was macht man, wenn ein Fleck mit jedem Waschgang hartnäckiger wird? Nach vielem Hadern kam dann doch noch die Erkenntnis: ein Hemd mit Fleck ist vielleicht kein gutes Hemd, aber ein Mensch mit Zorn muss nicht waschen, sondern ordnen. Böse Gedanken oder Gefühle gehören nicht raus, sondern einfach an den richtigen Ort. Als ich meiner Wut erstmals nicht die Tür wies, sondern sie in mir an ihren richtigen Ort zu leiten versuchte, wurde sie plötzlich handzahm. Nach einigem Üben wurde sie wieder zu dem was sie ist: Stärke, Mut, Durchsetzungsvermögen.
Kennt noch jemand den Rubik-Würfel? Das Prinzip ist ähnlich (und die Erfolgschancen höher - zumindest bei mir).

Ableitende Yogaübungen sind vor allem die Drehungen. Man kann aus beinahe jedem Asana einen Twist machen. Wichtig ist immer, die Drehung mit gut aufgerichtetem Rumpf zu beginnen. Die Einatmung lässt die Wirbelsäule vom Steißbein in die Höhe wachsen. Der Ausatem macht den Körper geschmeidig für die Drehung, die Energie ergießt sich vom Scheitel über den Rücken, die Aufrichtung bleibt dabei erhalten. Mit dem Atem entsteht ein innerkörperlicher Puls. In der Vertikalen wechseln Wachstum und das sich nach unten Ergießen. In der Horizontalen spürt man Erfüllung/Ausdehnung und Entleerung bzw. Entspannung.
In diesem Tanz, der sich in alle Richtungen ausbreitet, ist das Körperzentrum das Auge des Sturms. Nicht die Arm- und Beinkraft drücken den Rumpf in die Drehung. Es sind die Bauchmuskeln, die für den Twist verantwortlich sind. Im Drehsitz zum Beispiel kann man immer wieder die Arme heben, um festzustellen, ob der Bauch die Stellung hält, oder doch nur die Oberarme. So wirkt die Drehung zwar äußerlich weniger tief und spektakulär, kommt aber aus der Mitte und besitzt damit echte Tiefe und Verwandlungskraft.