Mittwoch, 1. August 2007

auferstanden


Also, ich bin ein ungemein glücklicher Mensch. Nämlich: direkt mit einer Shiatsu-fachkundigen Person verwandt. Das bedeutet, dass ich mich auf die Matte legen kann, wann immer es uns gerade gut passt. Und ich zahle nix dafür. Das ist vermutlich der größte Luxus in meinem Leben (dessen Luxuriösität ich mir zusätzlich auch bewusst bin).

Gerade ist mir der Psoas massiert worden, und eine Sehne an der Hüftbeuge. Der Psoas ist ein riesiger Muskel der von der Nierengegend in die Oberschenkel hinunterreicht, und damit Ober- und Unterkörper verbindet. Er liegt sehr tief und ist gerne verspannt - das kann zu Fehlstellungen im unteren Rücken führen (nach vorn geknicktes Becken, usw.). Mein Psoas, das hab ich bei der Behandlung gespürt, ist also derjenige, der anatomisch hinter diesem so lange anhaltenden, leicht verkrampften und gestauten Gefühl im Unterbauch steckt.

Ich arbeite immer noch ausgiebig am Thema Bauch, es hat sich viel bewegt seit den letzten Einträgen dazu. Ich bin den Hintergründen meiner Scham-, Hass- und Wutausbrüche auf die Schliche gekommen, die immer dann in mir hochgebrandet sind, wenn ich mir meines Bauches bewusst wurde. Verbunden damit ist auch der leichte, aber chronische Energiestau im Unterleib.

Mein Bauch, der ist eigentlich völlig normal (was ich im Hirn auch weiß), und mir hat auch nie jemand gesagt, dass ich mich für mein Aussehen schämen sollte. So hab ich mich aber immer gefühlt. Du bist hassenswert, mit so einem Bauch. Und du bist verachtenswert, weil du ihn nicht unter Kontrolle hast. So kann dich ja kein Mensch schön und liebenswert finden!

Es war mir immer ein Rätsel, woher diese so fest verankerten Absurditäten kamen, die mit meinem Spiegelbild nicht vereinbar sind. Aber die Scham, der Hass, die Wut und der Ekel auf/über mich selbst "passierten mir" immer wieder in einem beängstigenden, und absolut ernstzunehmenden Maße.

Der Knoten ist aufgegangen - es war einfach, aber eben nicht einfach zu erkennen:
Mein Bauch hat die Gefühle der Mutter für den Vater geschluckt. Und die Gefühle des Vaters für seinen eigenen Körper genauso. Abneigung und Schuld, Ekel und Scham.

Da trifft eigentlich niemanden die Schuld - trotzdem tut es gut, den ganzen Krampf beim Schopf zu packen und zurück zu den "Besitzern" zu schicken. Ganz neutral und klar. Und anscheinend tut meine Loslösung auch allen anderen Beteiligten sehr gut.
Ich bin aufgrund dieser Erkenntnisse noch nicht dem Aktionismus verfallen. Ich genieße. Zum Beispiel mir auf den Bauch zu greifen und das Zusammenzucken zu verstehen. Dann drüber hinaus zu gehen, und mich zu trauen, diese Wölbung wirklich zu spüren, mit dem Verständnis der ganzen Situation im Hinterkopf. Jenseits vom Verachtenswerten, vom Mal meiner Unfähigkeit, entdecke ich diese Region. Nichts, was ich verbergen müsste, damit keinem auffällt, was für ein hässlicher Mensch ich in Wirklichkeit bin. Da ist eben ein Bauch, so wie da weiter oben auch ein Hals ist, oder unten ein Paar Knie. Das ist eine ganz neue Entdeckungsreise für mich. Meinen Bauch als eine ebenso spannungs-freie Zone zu erleben, wie meinen Hals, oder meine Knie, oder den Hinterkopf...

Also - es fühlt sich aufgelöst an, und ich mich auferstehend.

~°~°~°~

Das schreibe ich übrigens in Anlehnung an die Kommentare zu Ingrids Eintrag wahrheit und zorn. Da kam die Diskussion/der Vorschlag auf, Gefühle & Gedanken die in einem aufsteigen, nicht immer sofort mit vergangenen Geschichten in Verbindung zu bringen. Kurzum, die Geschichte nicht immer wieder wiederzubeleben durch frisches Futter, und auch die Gegenwart nicht als "Reaktion" auf Vergangenes zu sehen, sie nicht immer auf das Geschehene zu beziehen. Völliges Jetzt also.

Ich fühle mich der Jetzt-Sicht des Lebens sehr verbunden. Ein glücklicher Tag ist für mich einer, der von lauter Jetzt erfüllt ist, und ich sehe auch, dass ich mich, je mehr ich mich weiterentwickle und Ballast abschüttle, immer mehr im Moment verankere und dort auszuharren vermag. Im Fall meiner Bauch-Geschichte allerdings war der Abstecher in die Verangenheit nötig. Es hat mich immer wieder gewurmt, dass ich einfach nicht begreifen konnte, woher diese Urteile über mich kamen, mit denen ich mich immer so vernichtet habe. Ich war ratlos und wusste daher auch nicht, wo anpacken an meinem Problem. Letztendlich hab ich in der Rückschau und Erinnerung gefunden was ich gebraucht habe, nämlich das grundlegende und not-wendende Verständnis für die Natur meines Bauch-Kampfes.

Donnerstag, 26. Juli 2007

gebaut, gekocht, gegessen


Das ist er also, der ominöse Solarherd in Trichterform.
Hier (nach 30 min. Bauzeit) das erste Mal in Betrieb.

Den hab ich deswegen gebastelt, weil ich neugierig war.
Ob die Sonne wirklich meine Erdäpfel weich kriegt, mir ein Brot bäckt und das Teewasser aufkocht?
Ob das wirklich so einfach geht?
Ob das eine Alternative ist zum normalen Kochen?
Wie kochen eigtl. Menschen in Gebieten, wo Strom nicht ist, und Brennholz zum Kochen Mangelware geworden ist? Ursprünglich wurden ja viele Solarherde für eben solche Problemfelder entwickelt.
Unsereins kanns ja auch nicht schaden, sich im Hochsommer einmal von der Sonne bekochen zu lassen.
Also: geht das?
Das Ergebnis:
  • Es geht!
  • Diverse Bauanleitungen gibt es hier: http://www.solarcooking.org/ Für jedes handwerkliche Geschick und Geldbörsel. Ich hab für meinen Solarherd alles im Haus gehabt, bzw. den großen Karton einfach aus dem Altpapier gefischt. Nur Einmachglas und schwarzen Lack musste ich kaufen. (Das sind - öh... 6 €)
  • Bauzeit: 30 min., Schwierigkeitsgrad: sehr einfach.

Werden Dinge wirklich gar?

  • JA! Vor allem: der Behälter wird heiß, SEHR HEISS! Also, nicht wie ich die Sonnenkraft unterschätzen und ohne Handschuhe hantieren. Sonnenbrille ist auch ein Muss.
  • Allerdings: es braucht eben seine Zeit. Je weiter weg vom Äquator desto mehr, klarerweise. Mit Sonne direkt überkopf geht's natürlich am Schnellsten. D.h.: die Konstruktion gegen 11 in die Sonne stellen, und gegen 14 Uhr wiederkommen, dann isses meist geschafft. Wer das Glück hat, eine große, freie Fläche zu haben auf die kein Schatten fällt, muss den Solarherd noch nicht einmal weiterdrehen (sonst ca. alle 1 1/2 Stunden). Umrühren oder Kontrollieren ist auch nicht nötig. Dinge können nicht anbrennen. Reis o.Ä. sollte man vielleicht aber einmal schütteln, damit er schön gleichmäßig gekocht wird.
Und so schaut's dann aus:

Klein geschnippeltes Allerlei, eine Geschmacksbombe sondergleichen!

das spricht dafür:
  • Demjenigen, dem so wie mir (rein zufällig übrigens) der Strom abgedreht wird, erklären sich die Vorteile von selbst, denke ich.
  • Wer Hitze und Sonne hat, und vielleicht Stromkosten sparen möchte, kann's ja auch einmal probieren. Ich erinnere daran: ich habe Essen gekocht in Österreich, in einem etwas überschatteten Garten. Also: wer will, der kann.
  • Der Geschmack! Ich bin ein Gourmet, ja wirklich. Und ich bin völlig von den Socken. Ich würde ja jedem so einen Herd empfehlen, einfach um einmal zu erleben, was sonnengeküsst wirklich bedeutet. Gemüse z.B. kann ja ganz und gar in seinem eigenen Saft garen, der dabei aber nicht verloren geht. Es wird weich, aber nicht lasch. Ich selbst wusste gar nicht, wie viele subtile Noten so ein bisschen Zwiebel und Tomate eigentlich haben kann.
  • Das Essen wird schnell zusammengeschnippelt, eingefüllt und durchgeschüttelt. Dann kann man es sich selbst überlassen. Sehr praktisch.
  • Im Campingurlaub ist ein Sonnenherd als zusätzliche Kochhilfe sicherlich auch nicht zu verachten.
  • Aus Gründen reiner Neugier, puren Forscherdranges und zur Weiterbildung macht mir der Solarherd großen Spaß. Die Energie der Sonne so angewandt zu erleben, zum Beispiel, ist schon interessant. Ich kann mir vorstellen, dass Kinder an sowas ihre Gaudi haben könnten.

und das spricht dagegen:

  • Das Kochen mit Solarherd ist stark an Höhen- und Wetterlage gebunden. Bei obiger Konstruktion ist Wind allerdings kein Problem.
  • Es braucht zu Beginn ein bisschen Experimentierwillen und Geduld.
  • Fastfood geht klarerweise net. Je nach Gericht (vom einfachen Wasseraufkochen bis zum Fleischgaren) braucht's zwischen 1-3 Stunden.
  • Mit Solarherd wird dann gekocht, wann im Sommer normalerweise niemand essen will; nämlich zu Mittag. Die Konstruktion einfach stehen zu lassen hält das Essen allerdings für einige Stunden warm und verkocht es auch nicht. Für total Motivierte gibt es die Möglichkeit, sich einen sogenannten Heuofen zu bauen, ebenso einfach und billig wie der Solarherd selbst (Anleitungen auch auf solarcooker.org), der das Essen ganz ohne Strom ewig heiß [!] hält.
  • Wer für mehr kocht als für 2-4, muss sich einen größeren Herd bauen (oder einen zweiten).

So, ich geh jetzt essen.

Freitag, 20. Juli 2007

darots es?

Um Sam vom Rätselerfinden (Oisamdaron) zu entlasten, springe ich ein. Also:

Was ist das?


(Hinweis: es ist praktisch, schlau, und heiß.)

Samstag, 14. Juli 2007

tauchen


Da wach ich auf und alles riecht so wie schon immer, und die Tanne weht vorm Fenster, und die Geräusche sind die selben, wie lang hab ich geträumt?

Ich war in dieser Stadt, und meine Füße waren leicht auf dem Kopfsteinpflaster, und da war immer Wind. Frischer Wind, und Wolken. Und an der Ecke ein altes Haus wie absichtlich verlaufen, hat eine winzige Küche, es riecht so gut und ich schneide eine riesige Zwiebel. Daneben steht ein Mann der sein Herz in den Augen trägt, er hält eine unsichtbare Hand in meinen Nacken. Es wird warm, und ich platze und fließe ganz still in die Welt.
Ich setze die Weltkugel in mein Herz, höre sie in mir klopfen. Der Rhythmus wird zu einem Gebet, zu den Wellen am Strand von Platamon, und Gott räkelt sich und lacht und sitzt im Schneidersitz in meiner Brust.

Langsam erscheint am Meeresspiegel Iris, ich falle in die Pupillen freundlicher Augen. Durch ihr rundes Fenster schwimm ich, dahinter alle anderen Menschen. Ein Wirbel aus Sehnen und Streben, darüber Ordnung. Wie eine Mutter fühl ich mich, ganz eins mit jedem Wesen als läge es an meiner Brust. Von überall her Nebel, warme Schwaden, legen sich um unsere Schultern, strecken sich durch uns durch zum Nächsten. Alle verknüpft, und Atem von allen Seiten, der Himmel dreht sich, die Sonne wird mild, ich blicke zu Boden, eine Blume im Beton.



Ich schiebe die Decke weg, kühle Luft um meine Zehen. Der Mann an dem alles Offenheit und Liebe ist, liegt neben mir, eingerahmt. Doch kein Traum. Ein Kater in meiner Stirn, Trägheit, ein Blick durch die vertraute Zimmerschachtel. Doch ein Traum. Ein altes Ich klebt hier in den Ritzen, das mich ganz unrund macht. Gerade keine Kraft um es rauszuschmeißen. Gerade genug Kraft, um mir Ausreden zu basteln. Ein Tag dehnt sich vorüber, Stille, Stille, Stille aushalten. Der Tee rollt warm über die Zunge. Das Hirn geht plappernd nebenher.

Stille, Stille aushalten. Tauchen. Noch ein Zug, und noch einer. Hier, irgendwo in den Wellen, irgendwo im Atem, irgendwo im Dunklen müssen sie doch sein, die Pupillen. Finden. Finden und durchtauchen.

Dienstag, 26. Juni 2007

gekauft, getragen, geliebt!

So, Achtung, hier geht's um Hygieneartikel für die Menstruation. Wer das grauslich findet, liest bitte woanders weiter.
Also, gekauft und getestet habe ich die Mondtasse (oder auch Mooncup), eine kleine, glockenförmige Tasse aus Silikon, die wie ein Tampon getragen wird. Warum hab ich das getan?
  • Wegen der Aussicht, nicht in jeder Tasche ganze Tampon-Herden horten zu müssen.
  • Weil man ihn laut Werbung einmal kauft und 10 Jahre lang benützt (natürlich nur bei entsprechender Pflege).
  • Weil er die Schleimhäute nicht austrocknet, und dabei so toll wie in Tampon ist (unspürbar und unsichtbar).
  • Weil er keinen Müll erzeugt.
  • Weil er keine Baumwolle braucht, die wiederum Wasser braucht, usw. usf...
  • Weil er angeblich so praktisch und unproblematisch und sauber ist.

Und?

  • Ja. Zu allem. Er hält wirklich was er verspricht. Nur das mit den 10 Jahren weiß ich noch nicht.

Bestellmöglichkeiten z.B. in Österreich oder Deutschland.

Sonntag, 10. Juni 2007

umleitung

Geehrte Leserschaft,

ich habe beschlossen, meine Reiseberichte aus Gründen der Einfachheit nur auf meinem englischsprachigen Blog zu veröffentlichen. Zur Seite hier lang.

Danke übrigens für die guten Wünsche zum Aufbruch - ich freue mich sehr darüber! Kann sie auch gut gebrauchen: wär schon ein paar mal fast überfahren worden... :)

Dieser Blog wird aber nach wie vor für Tiefergehendes, Möchtegern-Philosophisches und andere Gedanken genützt werden!

Herzlichst,
die Bloggende

Montag, 4. Juni 2007

so.

Mein letzter Kaffee in diesem Zimmer hier. Die Wände sind leer, die Regale auch - der Inhalt eines ganzen Zimmers in einen Koffer gequetscht.

Ich sitze dort, wo ich sonst nie sitze, nämlich in der Ecke, keine Ahnung weshalb.

Muss noch staubsaugen. Und mir den Busplan ansehen. Schon komisch, wieder mit einem ÖVi zu fahren - mein treues Rad hab ich für 600 SEK verhökert. Keine blauen Flecken mehr am Hintern (Federung gibt's nicht). Nächstes Jahr fährt ein anderer Mensch auf dem blauen Monark-Rad ins Abenteuer. Hoffentlich.

Ich mag das Gefühl - wenn das Leben in einen Koffer passt.

Seh vor meinem Fenster noch einmal das geziegelte Reihenhaus mit der kriminell türkisen Fensterumrahmung. Am Anfang kam mir all der Ziegel so trostlos vor. Das passt schon, denk ich mir, und hör die Waschmaschine hysterisch piepsen. Ah, was hab ich diesen Piep gehasst...

Ich mag das - Nomadin sein. Ein Tuch um die Schulter, ein Buch in der Hand. Tasche, Pass, Notizbuch, vielleicht eine Kamera? Die Lungen zum Atmen, die Füße zum Gehen, die Augen zum Sehen. Nichts weiter, nichts mehr. Sogar die Trauer genieße ich, denn schießlich ist es die Trauer der Nomadin...

ah, Leben, trag mich weiter!