Mittwoch, 27. Dezember 2006

rauhnachts-meditation n°3

3. Rauhnacht: 6 der Münzen


Karte aus dem Crystal-Tarot

Der Himmel neigt sich der Erde zu, die Erde wächst in den Himmel: ein Bild des Austauschs. Der März.

Keine Kleinigkeit bleibt unbeachtet, nichts wird über- oder unterschätzt. Die Grenzen zwischen Herrschern und Beherrschten sind Illusionen, denn beide brauchen einander.

Der Körper, die Materie, wird ausgelüftet und das Gemüt bekommt frischen Schwung durch die aufsteigende Lebenskraft. Oben und Unten tauschen sich aus: der dunkelste Erdboden bekommt Informationen aus den höchsten Höhen. Das Dunkle ernährt das Helle.

Alle Teile tun sich zusammen, damit neues Leben entsteht.

Dienstag, 26. Dezember 2006

rauhnachts-meditation n°2

2. Rauhnacht: 4 SchwerterKarte aus dem Crystal-Tarot

Ich denke an die schönen, samtdunklen, ruhigen Nächte, in denen der Mond in mein Zimmer scheint und sich auf mein Bett legt.
Das wunderbare Gefühl, wenn man erschöpft in die Laken gleiten kann und sich die Nacht als kühler Schleier auf die Stirn legt.

Das Hirn eine Runde abhängen lassen, wie auf der Wäscheleine.

Die 4 Schwerter tauchen als Ratschlag gerne auf, wenn alles was ich brauche, eine Portion Schlaf ist. Wenn ich renne und renne, und mit dem Hirn durch die Wand zu verstehen versuche. Wenn ich vor lauter Eifer übersehe, dass ich nicht immer über einen Stein steigen muss, sondern dass der Weg frei ist - oder dass sogar überhaupt nichts zu tun ist.

Es gibt eine schöne Meditation, die mich an das Bild der 4 Schwerter erinnert; die Konzentration auf den Ursprungspunkt, genau im Zentrum des Schädels.
Überhaupt ist das Zurückziehen des Geistes auf einen Punkt - sei es zwischen den Augenbrauen, oder am Bauchnabel, oder im Herz... - ein wunderbares Mittel zur Erholung. Wenn der Rückzug mit dem Rauschen des Atems verbunden wird, entsteht bewegte Konzentration; was vorher geklemmt hat, kommt wieder in Fluss.

Im Februar merke ich, wie ich Lust auf den Frühling kriege, aber der klemmt noch, will nicht so richtig. Natürlich dauert es dann besonders lang. Das geschäftige Tun aber ist noch völlig umsonst, die Pflanzen und Säfte lassen sich Zeit.

Dann brauche ich Er-Holung im Sinne von Nichts-Tun, Abwarten, Ruhen, Besinnen. ErHolung - fragt sich nur, was holt da was zurück? Ich hole meinen Geist wieder in die Mitte seines Hauses, richte ihm in meinem Körper einen Ort ein, wo er sich sammeln kann und rastet. Guter Plan für den Februar...

Montag, 25. Dezember 2006

rauhnachts-meditation n°1

1. Rauhnacht: Die Welt

Karte aus dem Crystal-Tarot

Ein Kreis schließt sich – ich drehe mich auf der Spirale eine Ebene höher. Ich sterbe ein kleines Stückchen mehr auf dem Weg zur Vollendung:

Januar – die Zeit, in der mich die Todesangst packt. Ich liege wach, warte darauf, dass mein Herz einfach zu schlagen aufhört – was wird passieren?

Ich stelle mir das Sterben vor; ein großes, letztes Ausatmen… oder vielleicht ein Eingeatmet-Werden von der Welt.

Überhaupt, das Atmen…

Ich lasse die Welt in mich durch meine Arme, meine Lungen, aber vor allem durch mein Herz. Ich breite die Arme aus, im Yoga, ich atme mich selbst groß und frei, bis sich mein Innerstes so geräumig anfühlt wie ein ganzes Universum. In solchen Momenten erkenne ich, dass in mir Platz ist für die Fülle und Vielfalt der ganzen Welt; ohne Wertung, bloß bestaunend, haltend, und voller Freude.

Yoga ist das „Joch“, das bindet. Keine Unterdrückung, sondern Zusammen(d)rücken und Vereinigen aller Teile. Gliedmaßen bewegen sich zueinander, Gelenke verankern sich ineinander, geben Stabilität und Kraft. Aus ihr kann echte Größe wachsen:

eine Dehnung, die umso höher wächst, je mehr die Muskeln in den Tiefen sich daran erfreuen lernen, ihr Halt zu geben.

Wie weit reicht dann meine Dehnung?
Wie weit strecke ich meine Körperwelt in die Außenwelt hinaus?
Wie weit getraue ich mich, die Verkettung zu erkennen?

Bis zum Kind, das meine Abgase einatmet?
Dem Baum, der mir jetzt als Unterlage für mein Frühstück dient, oder auch für den Computer, an dem ich jetzt schreibe?
Bis zum Bauern, der mir meinen Nachmittagskaffee gepflückt hat?

Erkenne ich, dass ich durch die Körperwelt das gesamte Universum berühren kann? Die Energie folgt immer den Gedanken; dem Herzen.

Ich gehe auf Boden, der schon viele vor mir getragen hat: ich atme dieselbe Luft wie sie, ich höre ihre Musik, lebe in ihren Häusern, betrachte ihre Bilder, lese ihre Bücher.

Mit einem offenen Herzen die Welt berühren heißt für mich, selbst in sie hinein zu gleiten und die Welt zu werden.

Der Stier, der Löwe, der Adler, der Engel: Ausdauer, Mut, Scharfsinn, Liebe; sie ergeben Schönheit, Frei-Sein.

Für den Januar wünsche ich mir, Fähigkeiten zu entwickeln, mit denen ich auch den hässlichen Seiten des Lebens (und damit auch meinen eigenen) heiter und unverzagt begegnen kann, um sie durch ein weites Herz hindurch in die Schönheit zu heben.

Donnerstag, 14. Dezember 2006

zeiger


Morgen früh fährt mein Freund nach Hause, am Montag ich. Ich freue mich auf 4 Wochen mit Freunden, Maroni, gutem Bier und Erhebungen im Gelände die nicht nur aus Laub bestehen. Ich freue mich auch auf weniger Regen.
Ich werde alle Baumfreunde besuchen und meinen Lieblingsplatz am Fluss aufräumen.
Außerdem endlich wieder Yoga unter Aufsicht betreiben,
und auf dem Schlossberg über die Stadt blicken.
Raucher in den Lokalen (obwohl sie mir nicht abgegangen sind...)
In der letzten Woche kommt der Herzensmann mich besuchen. Darauf freu ich mich natürlich auch sehr.

Ich bin neugierig, gespannt - fast so stark wie vor meiner Abreise hierher. Der Zeitpunkt ist genau richtig: zurückkommen und mich vom Vertrauten umfangen lassen wie von einer schützenden Haut. Hinuntersinken. Körper und Geist Zeit geben, das Gelernte und Erlebte zu integrieren: 4 der Schwerter.

Und obwohl die Freude auf die Heimreise über die Panik gesiegt hat, merke ich, wie irgend etwas in mir langsam aber sicher durchzudrehen beginnt. Nur noch ein Semester! Nur noch ein Semester!!! Die 4 Monate hier sind vergangen wie 2 Jahre und 4 Wochen zugleich. Ich werde in Wien landen und mich fühlen als wäre ich gestern durch den CheckIn spaziert. Plötzlich wird es Juni sein und ich werde meine Zeugnisse holen und die Koffer packen. Und dann frage ich mich, woher der Liebste die Ruhe nimmt, mit der er den rasenden Zeigern begegnet...

Gut, er hat 6 Jahre Lebenserfahrung mehr, 6 Jahre mehr um zu lernen, dem Leben zu vertrauen. Ich stecke grade mitten im Training. Gehe die Wände rauf und runter oder heule unter der Dusche; mag nicht spüren wie vergänglich alles ist. Dann fange ich an, Rechenübungen zu machen: ist es deswegen so schön, weil es so begrenzt ist? Wenn unsere Beziehung nicht mehr so schön ist, wird sie dafür länger?

Dann breche ich irgendeinen Streit vom Zaun, am Ende lachen wir und alles ist wieder ganz natürlich, frei, selbstverständlich. Die Zeit vergeht wieder wie im Flug. Mist.

Es hilft wohl alles nix und ich muss einsehen, dass mein Wunsch in Erfüllung gegangen ist - ich liebe einen Mann der mich liebt und wir befreien uns gegenseitig. Und über allem hängt ein Totenkopf.

Mittwoch, 29. November 2006

a better version of me


Sitze bei einer Freundin im Bett, sie hat einen Arzttermin, ich habe drahtlosen Internetzugang, jede Menge Zeit (einen gesamten Tag!) um die Seele baumeln zu lassen und dazu guten Tee. Gestern schöner, inspirierender Abend unter Mädchen. Tut immer gut.


Jetzt wo Weihnachten naht, dämmert mir langsam: zurückkehren wird hart werden. Allen Auslands-Studis geht es so, egal ob Austausch oder Master oder einfach nur so. Hier verändert sich jeder so rasend schnell. Zu Weihnachten werden viele viele "neue" Menschen zurück fahren in Städte, zu Freunden und Familien, die sich im Vergleich zu ihnen kaum verändert haben. Viele Worte werden vergeudet werden im Versuch, das Anders-Sein zu erklären. Die Weg-Gegangenen werden ganz hoffnungslos angesichts der gähnenden Nicht-Veränderung, die Daheim-Gebliebenen sind ein bisschen enttäuscht, weil sich äußerlich am Weltfahrenden nicht wirklich was geändert hat (wo bleiben die grünen Haare, die radikalen Ansichten, das völlig veränderte Gesicht?), warten auf exotische Berichte - aber es kommt nix. Die Weltenbummler wissen nicht wirklich, wie sie ihren inneren Wandel in Worte packen sollen. Oder sie sind Realisten und haben erkannt, dass dieses Unterfangen sowieso scheitern würde. Alles ist gleich und trotzdem ganz anders.


Und dann kommt auch noch dazu, dass so ein Austausch-Studi seine Metamorphose vielleicht gar nicht erklären möchte... Die meisten entdecken im Erasmus-Jahr sowas wie die spirituelle Nabelschnur, ein Urvertrauen in das Leben und seine wunderbaren Wendungen, erleben Beseelendes, Beatmendes, Belebendes. Sowas lässt sich nicht immer gut vor versammelter Mannschaft an Omas Küchentisch besprechen. Und dann bleibt auf die Frage: "Wie geht's dir im Auslandsjahr?" eben nur: "Danke, fantastisch!"


Wenn ich zurück komme, wird es wahrscheinlich einiges klarzustellen geben. Warum ich bei jedem Wetter mit dem Rad fahre. Warum ich im Supermarkt länger brauche, weil ich mein Essen sorgfältiger auswähle. Warum ich kein Fleisch mehr essen mag (und wenn, dann erst nach längerer Kontemplation, wiederum im Supermarkt o.ä. Plätzen). Warum ich beizeiten auch das eine oder andere "Öko"-Kommentar fallen lassen werde.
Das Wissen, zu dem ich hier in Lund Zugang bekommen habe, macht es mir ganz unmöglich, anders zu reagieren als mit Aktion. Die Erde grundsätzlich zu lieben ist eine Sache. Bäumen als Ratgebern und Lehrern zu begegnen eine andere. Den Müll in die Mülltonne zu werfen auch.
Aber der Zustand unserer kleinen Erde erfordert andere Massnahmen. Größere. Er fordert Menschen, die bereit sind, am Grat entlang zu wandern, Konsequenzen zu ziehen, sich zu verändern, um damit anderen Menschen zu ermöglichen, dass nachhaltiges und "sauberes" Leben für jeden einfacher umzusetzen ist.

Zeit und Geld, so wird's behauptet, hat ja nicht jeder. Und es fühlt auch nicht jeder den Drang gleich stark, sich täglich zum Besseren zu verändern, Disziplin zu entwickeln nach Alternativen zu suchen und sich selbst auch in diesen Entscheidungen zu kontrollieren. Es muss Menschen geben, die Disziplin und Konsequenz für andere übernehmen und Strukturen entwerfen, die es auch Menschen, denen ein verantwortungsvoller Lebenswandel nicht so wichtig ist, leichter macht, sozusagen nebenbei die richtigen Entscheidungen zu treffen. Der Mensch ist von Natur aus eher ein Faultier, aber wenn wir in 20 Jahren unseren Schnee noch immer gern zu Weihnachten hätten statt im August, dann müssen eben die weniger faulen den faulen Faultieren unter die Arme greifen (oder ihnen, radikaler gesagt, in den Hintern treten).

Um den eigenen Lebenswandel zu verändern, geht nicht darum, so zu werden wie ... , sondern um die Erkenntnis, dass es die bessere Ausgabe einer selbst ist, die angestrebt werden kann und darf. Es genügt der aufrichtige Wunsch.


Die Disziplin und Achtsamkeit, die ich entwickeln durfte, möchte ich jetzt in den Dienst stellen. Ich merke, dass ich genügend breite Schultern entwickelt habe, auf denen Verantwortung ruhen kann. Ich will meine jugendliche Energie nützen, solange sie da ist. Ich habe Menschen um mich, die bewundernswerte Entscheidungen getroffen haben und je mehr ich sie kennenlerne, desto eher merke ich: es ist nicht schwer.
In den letzten Tagen wird mir klar: diesen Funken möchte und werde ich weitertragen.

Ich warte auf ein Zeichen, eine Eingebung. Hej, da oben, gebt mir Arbeit!

Montag, 13. November 2006

wandel, öffnung


Die Seiten in meinem Tagebuch warten seit Wochen auf einen neuen Eintrag. Überhaupt ist das weiße Blatt Papier ein Sinnbild meines momentanen Zustands: ich rutsche immer mehr ins Jetzt zurück und bleibe hier. Ich werde immer kleiner, ahnungsloser und stärker in einer daraus erwachsenden Klarheit. Ich habe endgültig keine Ahnung mehr, wie ich meine Ideen zu Papier bringen soll.
Ich greife zur Kamera.


Ich lese wie besessen, ich bete, ich fühle die Hände, die mich führen immer stärker und auch den Fluss des Lebensplans, dem ich ins Gesicht grinse (*zwinker mal rüber zur merla*). Ich betrachte die dunklen Seiten des Lebens, unserer Welt und unserer Politik, vor denen mein überbordender, kindlicher Optimismus kleinlaut in die Knie gehen muss. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich tatsächlich täglich zur Zeitung greifen soll, oder lieber nicht. Vielleicht sollte ich überhaupt einmal damit anfangen. :)


Ich beschließe, meinem Lebensplan die Hand zu geben und will zum Werkzeug werden. Stark, klar, offen. Ich stelle fest, dass meine Arme und Schultern stärker geworden sind - kommt nicht nur vom Yoga. Mein Körper hat begonnen, mir zu vertrauen - keine Bestrafungen und bösen Gedanken mehr und schwups!, ist er ein starker Helfer geworden.



Ich lerne:
Menschen fühlen nur den Wandel. Wenn sie etwas dauerhaft erreicht und in sich verwurzelt haben, nennen sie das "Plateau".


Im Skulpturen-Park vor dem Skizzenmuseum treffe ich vor einigen Tagen ein paar sehr fotogene Blätter. Ich lerne: Fotografieren ist in allererster Linie eine Angelegenheit von Liebe für das Objekt. Je mehr Zeit ich an diesem Vormittag mit den Blättern verbringe, desto mehr habe ich das Gefühl, dass sie es sind, die Freude daran haben, mir ihre Schönheit zu offenbaren.


Eine alte, runzlige Frau geht vorbei und sieht mir zu, wie ich im Kies herumwusle. Sie ähnelt den Blättern, ein bisschen vertrocknet und irgendwie vom Baum gefallen. Ich frage mich, welche ungeahnte Schönheit sie vor dem liebenden Auge einer Kamera wohl entfalten würde?


Hachja.
Das Leben, eine wunderbare Backstube.

Mittwoch, 8. November 2006

manchmal...

... ist es zum Aus-der-Haut-Fahren!

Heute zum Beispiel. Und deswegen gönne ich mir eine Runde Zwiederniss und Schimpferei. Nämlich:

Nach der horrenden Zahnarzt-Rechnung für eine mickrige kleine Füllung (die mir rausgebrochen ist, da war also kein neues Loch, ich hab immer schön gebürstet!),

der zerbrochenen Lieblingstasse (beim Öffnen der Schranktür heruntergefallen und auch da war ich am Geschirr-Einräumen nicht beteiligt),

einer neuerlichen Kühlschrank-Attacke meiner Mitbewohnerin (die Appetit hat für 3 und dabei leider auch unschuldslämmern meine Vorräte anknabbert),

und Hektolitern Regen, die mein armes Fahrrad ruinieren, was wiederum teuer wird (hab ich eigentlich schon mal erwähnt, dass die Radfahrerstadt Lund keinerlei Unterstellmöglichkeiten für Drahtesel kennt? Gar keine! Da rostet alles fröhlich vor sich hin...),

bin ich zum Schluss gekommen, dass es mir mein Schicksal anscheinend richtig übel nimmt, dass ich die restliche Zeit unverschämt glücklich bin.
Und jetzt werde ich mich an Frau Bärtschis klugen Ratschlag halten (siehe Karte) und aus dieser Wohnung flüchten - an einen Ort, wo meistens die Sonne scheint :)

P.S.: Wenn jemand einen Tipp hat, wie ich meiner Mitbewohnerin klar machen soll, dass ich es nicht in Ordnung finde, dass sie sich die Butter zentimeterdick auf zwei Finger dicke Brotscheiben schmiert, und auch nicht der Meinung bin, dass ihr Magen danach auch noch unbedingt 2 Portionen Müsli mit einem halben Liter Milch benötigt - ich bin dankbar. Momentan bin ich schon fast versucht, so schnell wie möglich eine Wochenration für mich unter meiner Matratze zu verstecken, bevor sie innerhalb von 1 1/2 Tagen verschwunden ist. Für jeweils getrennte Packungen Brot, Butter, Milch etc. fehlt uns hier leider der Platz, aber ins Geld geht's schon. Oder sind solche Mengen im Grunde normal? Hm - bin zwar auch keine Wenig-Esserin, aber dieses Mädchen frisst mich noch arm. Und ich bin zu feige, ihr das genau so zu sagen. Zwickmühle.
So, fertig gesudert.