Donnerstag, 9. Februar 2006
Sonntag, 8. Jänner 2006
Ich bin durchdrungen von mir selbst
und kann mir nicht entrinnen.
Ich spüre wunderbar die Kraft,
die meine Haut zusammenhält,
durch die sie zu zerreißen droht.
Ich bin verwachsen mit mir selbst!
Ein wundersames Netz ist das:
Ich schaukle, spiele, springe weit
und falle doch zurück in mich,
entdeck mich neu, entwirr’ mein Du.
Erschreckend, wie viel Raum ich biete:
Nächte, Tage, Lichter, Schatten;
Welten lasse ich entstehen
und Welten reiß’ ich wieder ein,
von Kopf zu Zeh, von Hand zu Herz.
Samstag, 7. Jänner 2006
Homines sumus
In der Dunkelheit hält uns die Göttin
ihr Wind singt auf unseren Rippen
ihr Nichts tanzt uns Trost entgegen,
und Heilung und endlich – ein Lächeln.
Stampfend rollen meine Herzen.
Sie sehnen sich Hände herbei
von tausend Frauen, die leiden, die sündigen,
so wie ich, und dennoch zart sind.
Alles in mir will schmelzen und verglühen –
habt Erbarmen mit mir, ich flehe zu euch,
erbarmt euch, beugt euch über mich;
dann heilt mich. Singt mich zurück in die Einfalt!
Zu klein bin ich für meine Schuld.
Seht mich an!
Seht nur, Frauen, meine Wunden,
ihr kennt sie, das weiß ich -
Homines sumus.
Feuchtes Leinen, Berge davon;
breitet sie über mich, ihr Frauen,
kühlt das Brennen.
Und singt, singt mich ins Sterben:
dass eure Füße zittern,
eure Brüste beben,
grollen sollt ihr, schreien sollt ihr,
dreizehn Monde.
Versenkt mich tief, dass ich verbrennen kann.
Klein will ich werden und immer kleiner,
so klein, dass nur Liebe Platz hat auf mir.
Der reine Kern in euren Händen.
Freitag, 6. Jänner 2006
ein furchtbares Gefängnis
atemberaubend, erstickend
und erfüllt mit allen Grauen der Verlassenheit.
Da lag ich: bleich, kalt, blass
und er um mich.
Unschuldiger Dieb, überfällt ein leeres Haus.
Meilenweit fort bin ich von mir
noch immer
und locke mich nur schwer zurück.
Besudelte Lilie, lächelt weiter, kann sich nicht reinwaschen,
hat keinen Stolz.
Und es schmerzt,
weil ich bekomme, was ich wünsche.
Freitag, 23. Dezember 2005
Ich habe Lust, meinen entzündeten Rachen der Meerluft hinzuhalten – den Mund ganz weit aufzusperren, damit der Wind durch fegen kann…
Ich muss etwas Wichtiges tun… Wie denn?
Ich muss etwas Wichtiges schreiben. Tja, so kann das nicht funktionieren, mit der Inspiration. Ich möchte hart arbeiten, an meinen Wörtern, an meinen Sätzen, und etwas wachsen sehen. Ich möchte den tausendfältigen Kreaturen in mir ein Zuhause geben, gebaut aus papierenen Mauern. Und ich möchte, dass dieses Zuhause viele Menschen besuchen. Wir sind nicht immer gern allein, oder?
Ich habe große Lust, Fotos zu machen. Ich habe Lust, meine anderen Augen aufzusetzen, die, die alles sehen – und mit diesen Augen wieder viele Zuhause zu schaffen, gebaut zwischen 4 Rändern Fotopapier…
Ich denke nach über Arbeit und ihre Geschenke. Ich frage mich wie es kommt, dass ich so wenig zu tun habe? Ich muss mir eine Arbeit wählen – eine andere, eine wichtige, eine, wo ich Chef und Angestellte bin und wo die Jahresbilanz schwer mit Zahlen zu kalkulieren ist. Ich krame in meinen alten Gedichten. So viele Häuser! Und alle sind sie gebaut aus dem Wunsch, sich einmal als Nachbarn wieder zu finden, zu fliegen, umzäunt von zwei festen Buchdeckeln.
Also dann, ich hab meine Arbeit gefunden. Es ist Arbeit, zu schreiben. Es ist auch hart, zu fotografieren. Nicht aus Mangel an Motiven. Ich müsste nicht mal vor die Haustür gehen, um tausend Jahre arbeiten zu können.
Meine Kreaturen sind nur nicht leicht zu fangen!











